Viele Unternehmen stehen vor derselben Frage: Soll die Spitzenlastfunktion im Energiemanagementsystem aktiviert bleiben, oder ist es in bestimmten Situationen besser, sie zu deaktivieren? Die Antwort hängt von der individuellen Laststruktur, dem Stromtarif und den betrieblichen Anforderungen ab. Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um die Lastspitzenkappung und hilft dabei, die richtige Entscheidung für den eigenen Betrieb zu treffen.
Richtig eingesetzt, ist die Spitzenlastfunktion eines der wirkungsvollsten Werkzeuge zur Senkung der Energiekosten. Falsch konfiguriert oder unnötig deaktiviert, verschenkt man jedoch bares Geld. Die folgenden Abschnitte erklären, wie das System funktioniert, wann es sich lohnt und wann man es besser ausschaltet.
Was ist Spitzenlastmanagement und wie funktioniert es?
Spitzenlastmanagement bezeichnet die gezielte Begrenzung kurzfristiger Leistungsspitzen im Stromnetz eines Unternehmens. Energieversorger messen den höchsten 15-Minuten-Mittelwert des Stromverbrauchs pro Monat und berechnen auf dieser Basis den sogenannten Leistungspreis. Das Spitzenlastmanagement, auch Lastspitzenkappung genannt, verhindert, dass dieser Maximalwert unnötig hoch ausfällt.
Technisch funktioniert das System so: Ein Energiemanagementsystem überwacht kontinuierlich den aktuellen Stromverbrauch und greift ein, sobald sich eine drohende Leistungsspitze abzeichnet. Dann werden entweder flexible Verbraucher kurzzeitig abgeschaltet oder ein Batteriespeicher entlädt sich, um die Differenz zu überbrücken. Das Ergebnis ist ein geglättetes Lastprofil, das den gemessenen Spitzenwert deutlich reduziert.
Warum sind Leistungsspitzen so kostspielig?
In Deutschland setzt sich die Stromrechnung für gewerbliche und industrielle Abnehmer aus einem Arbeitspreis und einem Leistungspreis zusammen. Der Leistungspreis richtet sich nach dem höchsten gemessenen Viertelstundenmittelwert. Selbst eine einzige kurze Spitze im Monat kann den Leistungspreis für den gesamten Monat erhöhen. Genau hier setzt die Lastspitzenkappung als Anwendung im Energiemanagement an.
Wann lohnt sich die Spitzenlastfunktion für ein Unternehmen?
Die Spitzenlastfunktion lohnt sich immer dann, wenn ein Unternehmen einen leistungspreisbasierten Stromtarif hat und ein unregelmäßiges oder spitzenlastintensives Lastprofil aufweist. Je höher der Leistungspreis pro Kilowatt und je ausgeprägter die Lastspitzen, desto größer das Einsparpotenzial.
Besonders wirtschaftlich ist die Funktion in folgenden Situationen:
- Betriebe mit kurzzeitig hohem Energiebedarf durch Maschinenanläufe, Pressen oder Schweißgeräte
- Unternehmen mit einem hohen Verhältnis von Spitzenlast zu Grundlast
- Standorte mit hohem Leistungspreis im Netzentgelt
- Betriebe, die Batteriespeicher bereits für andere Zwecke wie Eigenverbrauchsoptimierung oder USV nutzen
Ein einfacher Anhaltspunkt: Wenn die monatliche Spitzenlast deutlich über dem Durchschnittswert liegt, ist die Aktivierung der Funktion in der Regel wirtschaftlich sinnvoll. Die Amortisation eines Speichers beschleunigt sich erheblich, wenn mehrere Anwendungen gleichzeitig abgedeckt werden.
Was passiert, wenn die Spitzenlastfunktion deaktiviert bleibt?
Bleibt die Spitzenlastfunktion deaktiviert, werden Leistungsspitzen nicht aktiv begrenzt. Das bedeutet, dass jede kurze Lastspitze ungehindert gemessen wird und als Grundlage für den monatlichen Leistungspreis dient. Über ein Jahr summieren sich diese Mehrkosten zu einem erheblichen Betrag.
Hinzu kommt ein weiterer Nachteil: Netzbetreiber können bei dauerhaft hohen gemessenen Spitzenwerten die vertraglich vereinbarte Leistung anpassen oder erhöhen. Das führt zu höheren Grundpreisen, die sich nur schwer wieder reduzieren lassen. Wer also auf die Aktivierung der Spitzenlastfunktion verzichtet, zahlt in der Regel mehr, ohne einen erkennbaren betrieblichen Vorteil davon zu haben.
Wie wird der Spitzenlastschwellenwert richtig eingestellt?
Der Spitzenlastschwellenwert sollte so eingestellt werden, dass er knapp unterhalb der typischen monatlichen Lastspitze liegt, aber oberhalb der normalen Betriebslast. Ein zu niedrig gewählter Schwellenwert führt zu häufigen und unnötigen Eingriffen, ein zu hoch gewählter verfehlt den Zweck der Lastspitzenkappung.
Für die richtige Einstellung empfiehlt sich folgendes Vorgehen:
- Auswertung der historischen Lastgangdaten der letzten 12 Monate
- Identifikation der wiederkehrenden Spitzenwerte und ihrer Ursachen
- Festlegung eines Zielwerts, der die teuersten Spitzen knapp unterhalb ihrer bisherigen Höhe abschneidet
- Überprüfung, ob der vorhandene Speicher ausreicht, um die Differenz zu überbrücken
- Regelmäßige Anpassung des Schwellenwerts, wenn sich die Betriebsprozesse ändern
Es ist wichtig, den Schwellenwert nicht einmal festzulegen und dann zu vergessen. Saisonale Schwankungen, neue Maschinen oder veränderte Schichtmodelle können das Lastprofil verschieben. Eine regelmäßige Überprüfung stellt sicher, dass die Lastspitzenkappung dauerhaft optimal arbeitet. Mehr über die verschiedenen Systemlösungen und deren Einsatzbereiche gibt es in der Produktübersicht.
Wann sollte die Spitzenlastfunktion deaktiviert werden?
Die Spitzenlastfunktion sollte deaktiviert werden, wenn das Unternehmen keinen leistungspreisbasierten Tarif hat, wenn der Speicher für eine zeitkritische Anwendung wie die unterbrechungsfreie Stromversorgung vollständig reserviert werden muss oder wenn die Betriebslast so gleichmäßig ist, dass keine nennenswerten Spitzen entstehen.
Weitere sinnvolle Gründe für eine temporäre Deaktivierung sind:
- Wartungsarbeiten am Speichersystem oder am Energiemanagementsystem
- Testphasen nach Systemänderungen, in denen das reale Lastverhalten zunächst beobachtet werden soll
- Betriebssituationen, in denen der Speicher vollständig für eine andere priorisierte Funktion benötigt wird
Wichtig ist, dass die Deaktivierung eine bewusste und begründete Entscheidung ist, keine Standardeinstellung. Wer die Funktion dauerhaft deaktiviert lässt, ohne die eigene Tarifstruktur zu kennen, riskiert vermeidbare Kosten. Im Zweifel lohnt sich eine Überprüfung der aktuellen Einstellungen gemeinsam mit dem Energiemanager oder dem Systemanbieter.
Wie Commeo Systems GmbH bei der Lastspitzenkappung unterstützt
Wir bei Commeo Systems GmbH bieten eine vollständige Lösung für die Lastspitzenkappung, die Hardware und intelligente Steuerung in einem System vereint. Unsere Batteriespeicher und das Energy Control System (ECS) arbeiten dabei Hand in Hand, um Leistungsspitzen zuverlässig zu kappen und die Energiekosten nachhaltig zu senken.
Was wir konkret bieten:
- Modulare Lithium-Ionen-Batteriespeicher von 50 kWh bis 1 MWh und darüber hinaus, passend für jede Betriebsgröße
- Das Energy Control System (ECS) zur kontinuierlichen Visualisierung, Steuerung und Optimierung des Lastprofils
- Integrierte Schnittstelle zu EZA-Reglern für eine vereinfachte Netzintegration bei Anlagen über 135 kW
- Typgeprüfte Systeme in Zusammenarbeit mit dem TÜV für höchste Sicherheitsstandards
- Entwicklung, Prüfung und Produktion vollständig in Deutschland mit Lieferzeiten von unter drei Monaten
Möchten Sie wissen, ob sich die Lastspitzenkappung für Ihren Standort lohnt und wie die optimale Systemkonfiguration aussieht? Sprechen Sie uns an, und wir analysieren gemeinsam Ihr Lastprofil und zeigen Ihnen konkrete Einsparpotenziale auf.
Related Articles
- Was ist der Vorteil eines typgeprüften Lithium-Ionen-Batteriespeichers?
- Worin besteht der Unterschied zwischen Spitzenlastreduzierung und Lastverschiebung?
- Was sind die Anforderungen an Batteriespeicher in der Industrie?
- Warum ist Eigenverbrauchsoptimierung für Unternehmen wichtig?
- Kann ein Batteriespeicher Stromkosten in der Industrie senken?


